Skip to main content

Du möchtest einem Hund aus dem Tierheim ein neues Zuhause geben? Das ist eine schöne Entscheidung – und eine, die gut überlegt sein will. Ein Hund begleitet dich oft zehn Jahre oder länger, und gerade Tiere mit Vorgeschichte brauchen Zeit, Geduld und einen Menschen, der wirklich zu ihnen passt.

In der Schweiz suchen jedes Jahr Tausende Tiere über Tierheime ein neues Zuhause. Laut einem Bericht von SRF hat der Dachverband Schweizer Tierschutz im Jahr 2023 über 30’000 Tiere neu aufgenommen, rund die Hälfte davon konnte vermittelt werden. Hunde sind nur ein Teil davon – aber oft jene, bei denen die Vermittlung besonders sorgfältig abläuft.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie die Adoption Schritt für Schritt abläuft, was du vorher klären solltest, welche Formalitäten in Luzern auf dich zukommen und wie die ersten Wochen mit deinem neuen Mitbewohner gelingen.

Passt ein Hund aus dem Tierheim zu dir?

Bevor du dich in ein Foto auf der Website eines Tierheims verliebst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf deinen Alltag. Tierheime fragen genau diese Punkte ab – und das aus gutem Grund: Jede Rückgabe ist für einen Hund eine weitere Enttäuschung.

  • Zeit: Hast du jeden Tag mehrere Stunden für Spaziergänge, Training und Gesellschaft? Viele Hunde können anfangs nicht lange allein bleiben.
  • Wohnsituation: Erlaubt dein Mietvertrag einen Hund? Frag im Zweifel bei der Verwaltung nach, bevor du dich bewirbst.
  • Budget: Futter, Tierarzt, Hundesteuer, Ausrüstung und allenfalls die Hundeschule kosten jedes Jahr Geld. Rechne das vorher ehrlich durch.
  • Haushalt: Sind alle, die mit dir zusammenleben, einverstanden? Gibt es Allergien, kleine Kinder oder andere Tiere?
  • Ferien und Abwesenheiten: Wer schaut zum Hund, wenn du verreist, lange arbeitest oder krank bist?

Bist du noch unsicher, welcher Typ Hund zu deinem Leben passt? Dann helfen dir unsere Tipps, wie du den richtigen Hund für dich findest. Grösse, Energie und Alter sind bei einem Tierheimhund genauso wichtig wie bei einem Welpen vom Züchter. Ein älterer, ruhiger Hund passt manchmal viel besser in den Alltag als ein junger Wirbelwind.

So läuft die Adoption im Tierheim ab

Der genaue Ablauf ist von Tierheim zu Tierheim verschieden. Meist sieht er aber ähnlich aus.

1. Informieren und Interesse anmelden

Die meisten Tierheime stellen ihre Hunde online mit Fotos und einer kurzen Beschreibung vor. Beim Tierschutz Luzern füllst du zuerst ein Interessentenformular aus, danach meldet sich das Tierheim bei dir. Andere Tierheime setzen auf einen Anruf oder ein erstes Gespräch vor Ort. Lies die Beschreibungen genau: Hinweise wie «nicht zu Katzen» oder «nur zu erfahrenen Haltern» haben einen Grund.

2. Kennenlernen

Seriöse Tierheime legen Wert auf persönliche Besuche. Plane mehrere Treffen ein, geh mit dem Hund spazieren und beobachte, wie er auf dich, auf andere Menschen und auf Geräusche reagiert. Frag ruhig nach: Was ist über seine Vorgeschichte bekannt? Wie verträgt er sich mit Kindern, Katzen oder anderen Hunden? Wie lange kann er allein bleiben? Wer schon einen Hund hat, sollte die beiden vor der Übernahme miteinander bekannt machen.

Mischlingshund schnuppert im Auslauf eines Tierheims vorsichtig an einer Hand

3. Vertrag und Übergabe

Passt es für beide Seiten, unterschreibst du einen Übernahmevertrag. Darin bestätigst du in der Regel, dass du dem Tier ein geeignetes Zuhause bietest. Viele Verträge halten fest, dass du den Hund nicht ohne Absprache weitergeben darfst, und erlauben dem Tierheim einen Kontrollbesuch einige Wochen nach der Übergabe. Für die Vermittlung zahlst du meist einige hundert Franken. Dieser Betrag deckt nur einen Teil der Kosten, die das Tierheim für Pflege und Tierarzt hatte.

Wichtig zu wissen: Einen Anspruch auf ein bestimmtes Tier gibt es nicht. Findet das Tierheim, dass ein Hund nicht zu deiner Situation passt, kann es die Vermittlung ablehnen. Das ist kein Urteil über dich, sondern Schutz für den Hund – und am Ende auch für dich.

Tierheime in Luzern und der Zentralschweiz

In der Region Luzern ist das Tierheim an der Ron in Root die bekannteste Anlaufstelle. Es wird vom Tierschutz Luzern betrieben, nimmt Fund-, Verzichts- und Ferientiere auf und betreut nach eigenen Angaben jedes Jahr über 200 Tiere. Die vermittelten Hunde sind laut Tierheim geimpft, entwurmt, gegen Flöhe und Zecken behandelt, tierärztlich untersucht, gechippt und in der Hundedatenbank AMICUS registriert.

Welche Hunde gerade ein Zuhause suchen und wann du das Tierheim erreichst, findest du auf der Website von Tierschutz Luzern.

Auch in den Nachbarkantonen gibt es Tierheime und Vereine, die Hunde vermitteln. Achte bei der Wahl darauf, dass du die Hunde vor Ort kennenlernen kannst und offen über ihre Geschichte informiert wirst. Vorsicht ist bei Angeboten geboten, bei denen Hunde ungesehen über das Internet vermittelt werden: Dann kennst du weder das Tier noch die Bedingungen, unter denen es bisher gelebt hat.

Diese Formalitäten erledigst du in Luzern

Sobald der Hund bei dir einzieht, kommen ein paar Formalitäten auf dich zu. Am Beispiel der Stadt Luzern:

  • Erstmals Hundehalterin oder Hundehalter? Dann meldest du dich zuerst bei den Einwohnerdiensten, damit du in AMICUS erfasst wirst. Erst danach kann der Hund auf dich registriert werden.
  • Halterwechsel: Die Übernahme eines Hundes muss innert 10 Tagen in AMICUS gemeldet werden.
  • Hundesteuer: In der Stadt Luzern beträgt sie CHF 120 pro Kalenderjahr. Die Rechnung kommt jeweils Ende Mai.
  • Umzug: Ziehst du um, meldest du die neue Adresse innert 10 Tagen bei deiner neuen Wohngemeinde.
  • Versicherung: Frag bei deiner Versicherung nach, ob Schäden durch deinen Hund gedeckt sind.

Alle Details findest du im Merkblatt zur Hundehaltung der Stadt Luzern. Wohnst du in einer anderen Gemeinde, gibt dir die Gemeindeverwaltung Auskunft – Beträge und Abläufe können dort abweichen.

Die ersten Wochen: Ankommen braucht Zeit

Ein Umzug ist für jeden Hund Stress – für einen Tierheimhund, der vielleicht schon mehrere Stationen hinter sich hat, erst recht. Rechne damit, dass er sich in den ersten Wochen anders verhält als beim Kennenlernen: zurückhaltender, unruhiger oder auch sehr anhänglich.

  • Gut vorbereiten: Besorge Leine, Geschirr, Näpfe, einen Schlafplatz und das Futter, das der Hund im Tierheim bekommen hat. Ein Futterwechsel kann später schrittweise folgen.
  • Rückzugsort schaffen: Richte einen ruhigen Platz ein, an dem dein Hund ungestört ist. Auch Kinder lernen, ihn dort in Ruhe zu lassen.
  • Routinen geben Halt: Feste Zeiten für Spaziergänge, Futter und Ruhe helfen deinem Hund, sich zu orientieren.
  • Langsam starten: Verzichte in den ersten Tagen auf viel Besuch, lange Ausflüge und volle Innenstädte. Kurze, ruhige Runden in der Nachbarschaft reichen völlig.
  • Alleinsein üben: Beginne mit wenigen Minuten und steigere die Zeit langsam.
  • Leine dranlassen: Ein neuer Hund kennt die Umgebung noch nicht und läuft bei Schreck schnell davon. Lass ihn erst frei laufen, wenn er zuverlässig auf dich hört.
Hund liegt entspannt auf seinem Hundebett in einer hellen Wohnung

Eine Hundeschule oder Einzelstunden bei einer erfahrenen Trainerin helfen dir, die Körpersprache deines Hundes zu lesen und Schwierigkeiten früh anzugehen. Auch das Tierheim kennt deinen Hund oft gut – frag nach, wenn du nicht weiterweisst.

Unterwegs in Luzern mit deinem neuen Hund

Hat sich dein Hund eingelebt, kannst du die Umgebung gemeinsam entdecken. Uferwege am See, Wälder und Hügel am Stadtrand eignen sich gut für lange Runden. Achte unterwegs auf Hinweisschilder zur Leinenpflicht und nimm immer Robidog-Säckli mit. Ideen für Ausflüge, die auch mit der ganzen Familie gelingen, findest du in unserem Artikel über Luzern mit Kindern. Und wenn die Tage wieder länger werden, lohnt sich ein Blick auf unsere Tipps für Luzern im Frühling.

Ist dir ein Hund im Moment zu viel Verantwortung? Auch kleinere Heimtiere warten im Tierheim auf ein neues Zuhause. Wie die Haltung von Vögeln gelingt, liest du in unserem Ratgeber zu Wellensittichen als Haustiere.

Häufige Fragen

Was kostet ein Hund aus dem Tierheim?

Für die Vermittlung zahlst du in der Regel einige hundert Franken. Die genauen Beträge findest du auf der Website des jeweiligen Tierheims. Dazu kommen die laufenden Kosten für Futter, Tierarzt, Hundesteuer und Ausrüstung.

Kann ich einen Hund aus dem Tierheim zurückgeben?

Mit der Übernahme wirst du Eigentümerin oder Eigentümer des Hundes. Eine Rückgabe ist deshalb nicht einfach so möglich. Viele Tierheime sind im Notfall trotzdem zu einem Gespräch bereit. Am besten sprichst du das schon vor der Unterschrift an.

Wie lange dauert es, bis sich ein Tierheimhund eingelebt hat?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Hunde fühlen sich nach wenigen Tagen wohl, andere brauchen mehrere Wochen oder Monate. Ein ruhiger Start, feste Routinen und viel Geduld helfen dabei.

Kann ich als Anfängerin oder Anfänger einen Hund aus dem Tierheim übernehmen?

Ja, auch Menschen ohne Hundeerfahrung können einen Hund aus dem Tierheim übernehmen. Das Tierheim achtet darauf, dass Hund und Mensch zusammenpassen. Sag offen, dass du Einsteiger bist, und plane den Besuch einer Hundeschule ein.

Über das Team von Luzern-Inside

Wir sind deine Augen und Ohren in der Leuchtenstadt. Hinter diesem Artikel steht unser lokales Redaktionsteam. Wir verzichten bewusst auf Einzelnamen, um die kollektive Erfahrung unserer Luzerner Insider in den Vordergrund zu stellen und für Tests die Anonymität zu wahren.

Jeder Tipp wird von uns persönlich recherchiert oder vor Ort geprüft. Wir sind unabhängig, leidenschaftlich und leben dort, worüber wir schreiben – im Herzen der Zentralschweiz.