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Kinderlieder aus der Schweiz begleiten viele Familien vom ersten Wiegenlied bis zum Spielnachmittag. Ob «Schlaf, Chindli, schlaf» am Bettrand, ein Kniereiter auf dem Schoss oder ein Mundart-Hit im Auto: Für viele Kinder sind diese Lieder die ersten Melodien, die sie selbst mitsingen.

In diesem Überblick findest du die bekannten alten Mundart-Klassiker und erfährst, woher die Lieder kommen. Ausserdem stellen wir dir die wichtigsten Schweizer Kinderliedermacher von heute vor.

Dazu gibt es Tipps, wie das Singen ganz nebenbei in deinen Familienalltag passt – ohne dass du dafür besonders gut singen können musst.

Alte Schweizer Kinderlieder: die Mundart-Klassiker

Viele Mundart-Kinderlieder werden seit Generationen von Eltern und Grosseltern weitergegeben. Ihre Melodien sind kurz und eingängig, darum eignen sie sich schon für die Kleinsten. Diese Klassiker kennen viele Familien in der Deutschschweiz:

  • «Schlaf, Chindli, schlaf» – das klassische Wiegenlied zur Schlafenszeit
  • «I ghöre äs Glöggli» – ein ruhiges Abend- und Schlaflied
  • «Joggeli, wottsch go riite?» – ein Kniereiter, bei dem das Kind auf dem Schoss «reitet»
  • «Heile, heile Säge» – der Trostvers, wenn etwas wehtut
  • «Rägetröpfli» – ein Lied über den Regen
  • «Schiffli fahre uf em See» – ein Lied über Wasser und Wind
  • «Uf em Bergli bin i gsässe» – passt gut, wenn es nach draussen geht

Daneben sind Lieder wie «Häsli i dä Grube», «Chämifäger, schwarze Ma», «Eusi zwei Chätzli» oder «Jungi Schwän und Äntli» verbreitet. Zum Bewegen eignen sich Spiellieder wie «Ringel, Ringel, Reihe» oder «Gigampfe, Wasser stampfe».

Die vollständigen Texte findest du in Liederbüchern für Familien, Spielgruppen und Kindergärten. Wer Freude an Mundart hat, entdeckt mit Kindern übrigens auch gern Zungenbrecher auf Schweizerdeutsch oder witzige Luzerner Ausdrücke.

Woher die Schweizer Kinderlieder kommen

Kinderlieder gehören zum Volkslied, also zu den Liedern, die lange vor allem mündlich weitergegeben wurden. Der Begriff «Volkslied» geht auf Johann Gottfried Herder und seine Sammlung «Alte Volkslieder» von 1774 zurück, wie das Historische Lexikon der Schweiz festhält.

Laut dem Lexikon stammt der grösste Teil der heute gesungenen Schweizer Volkslieder aus dem 19. Jahrhundert. Kinder- und Wiegenlieder gehören zu den wenigen Ausnahmen – ebenso wie Balladen, Zaubersprüche und Nachtwächterlieder. Lieder rund um Bräuche und Jahreszeiten wurden traditionell vor allem in Mundart gesungen.

Ab dem späten 19. Jahrhundert trugen Schulen, Gesangvereine und Jugendverbände wie die Pfadfinder viele Lieder weiter. Um 1905 begann zudem die Heimatschutzbewegung, Bräuche, Mundarten und Volkslieder gezielt zu pflegen.

Altes, aufgeschlagenes Liederbuch mit Noten auf einem Holztisch, daneben ein Holzpferdchen und ein Xylofon

Neue Schweizer Kinderlieder: diese Liedermacher solltest du kennen

Neben den alten Liedern gibt es in der Schweiz eine grosse Szene für moderne Mundart-Kindermusik. Die Lieder greifen Alltag, Natur und Jahreszeiten auf und klingen nach Pop, Rock oder Folk. Diese Namen begegnen dir besonders oft:

Andrew Bond

Andrew Bond gilt als kommerziell erfolgreichster Kinderliedermacher der Schweiz. Er wurde 1965 in England geboren, kam als Kind in die Schweiz und arbeitete lange als Religions- und Musiklehrer. Heute ist er in Wädenswil am Zürichsee zu Hause. Sein bekanntestes Lied ist das Weihnachtslied «Zimetschtern han i gern», von seinen CDs wurden Hunderttausende verkauft.

Für Bond beginnt ein gutes Kinderlied beim Text: Kinder sollen sofort verstehen, worum es geht, und schnell mitsingen können. Seine Lieder handeln oft vom Alltag, von den Jahreszeiten und von der Natur.

Linard Bardill

Der Bündner Liedermacher prägt die Schweizer Kindermusik seit den 1980er-Jahren und bewegt sich zwischen Musik, Erzählkunst und Schule. Goldene Schallplatten erhielt er unter anderem für «Luege was der Mond so macht» und «Was i nid weiss, weiss mini Geiss». Bardill schreibt auch Bücher und macht Musik für Erwachsene. Zusammen mit dem Veranstalter Michael Furler stand er am Anfang der Lilibiggs-Kinderkonzerte.

Schtärneföifi und Silberbüx

Die Zürcher Gruppe Schtärneföifi startete 1995 und hat die Mundart-Kindermusik in der Popkultur verankert. Die Band hat sich inzwischen aufgelöst, hinterliess aber zehn CDs mit rund 160 Liedern.

Ebenfalls aus Zürich kommt Silberbüx. Die vier Mitglieder arbeiten auch als Schauspieler, Musiker und Theatermacher – entsprechend lebendig sind ihre Konzerte.

Marius & die Jagdkapelle

Marius Tschirky war Naturpädagoge, bevor er mit seiner Jagdkapelle bekannt wurde. Die Band verbindet Folk, Pop und Theater zu Mitmach-Konzerten und singt freche Lieder, an denen auch Erwachsene Spass haben. Ihre CD «Verschreckjäger» erschien bereits 2005.

Weitere bekannte Namen

Sehr beliebt sind auch die Schwiizergoofe, die auf Streaming-Plattformen hohe Zahlen erreichen. Weitere bekannte Namen der Schweizer Kindermusik sind Bruno Hächler, Roland Zoss, der in Berner Mundart singt, Billy & Benno aus Winterthur sowie Christian Schenker.

Kinder sitzen von hinten gesehen am Boden bei einem Familienkonzert, vorne spielt ein Musiker Gitarre

Kinderlieder für Winter, Samichlaus und Weihnachten

Gerade in der kalten Jahreszeit wird in vielen Familien, Spielgruppen und Kindergärten besonders viel gesungen. Neben «Zimetschtern han i gern» hat Andrew Bond weitere Lieder zur Saison geschrieben, etwa «Marrini, Marruni, Marroni», «Gritibänz» und «S hät Schnee, juhee!».

Auch hochdeutsche Weihnachtslieder gehören in der Schweiz dazu: «O Tannenbaum», «Alle Jahre wieder», «Kling, Glöckchen, kling» oder «Ihr Kinderlein, kommet». Zum Nikolaus- beziehungsweise Samichlaustag wird oft «Lasst uns froh und munter sein» gesungen.

Hochdeutsche Kinderlieder, die auch in der Schweiz beliebt sind

Nicht alle Lieder, die Schweizer Kinder singen, sind in Mundart. Viele hochdeutsche Klassiker sind ebenso verbreitet, etwa «Alle Vögel sind schon da», «Grün sind alle meine Kleider» oder «Die Affen rasen durch den Wald».

Manche davon sind kleine Sprach- und Rätselspiele: Bei «Drei Chinesen mit dem Kontrabass» werden in jeder Strophe die Vokale ausgetauscht. «Ein Männlein steht im Walde» ist ein Lied-Rätsel, dessen Auflösung die Hagebutte ist. Bei der «Vogelhochzeit» lernen Kinder ganz nebenbei verschiedene Vogelarten kennen, und «Backe, backe Kuchen» zählt die Zutaten für einen Kuchen auf.

Warum Singen mit Kindern so viel bringt

Singen fördert das Sprachgefühl, erweitert den Wortschatz und trainiert das Gedächtnis. Darauf weisen Familienratgeber wie Famigros und Familienleben.ch hin. Mehr dazu, wie Musik Kinder in ihrer Entwicklung unterstützt, liest du in unserem Artikel Warum musikalische Förderung für Kinder so wichtig ist.

Mindestens so wichtig ist das gemeinsame Erlebnis: Singen verbindet und schafft eine schöne Stimmung. Lieder können zudem den Tag gliedern – mit einem Morgenlied, einem Zahnputzlied oder einem Gute-Nacht-Lied. Und wer mit Mundart-Liedern aufwächst, nimmt ein Stück Familientradition mit.

Perfekt singen musst du dafür nicht. Es kommt nicht auf schöne Töne an, sondern darauf, dass ihr gemeinsam Spass habt. Schon Babys reagieren auf Musik, etwa mit Lachen und Strampeln.

Tipps: So passen Kinderlieder in euren Alltag

  • Feste Rituale: Ein Schlaflied wie «Schlaf, Chindli, schlaf» kann jeden Abend das Zubettgehen begleiten.
  • Alltagsmomente nutzen: Singen geht beim Wickeln, Kochen, Spazieren oder Velofahren.
  • Im Auto: Mitsing-Lieder vertreiben auf längeren Fahrten die Langeweile.
  • Bewegung einbauen: Kniereiter und Kreisspiele wie «Ringel, Ringel, Reihe» machen schon den Kleinsten Freude.
  • Liederbuch mitlesen: Ältere Kinder können Texte und Noten im Liederbuch mitverfolgen.
  • Live erleben: Viele Kinderliedermacher treten regelmässig in der ganzen Schweiz auf. Aktuelle Konzertdaten findest du auf ihren Websites.

Lieder lassen sich übrigens gut mit anderen Beschäftigungen verbinden: Singt doch einfach beim Basteln mit Kindern oder unterwegs auf einem der Ausflüge in Luzern mit Kindern.

Häufige Fragen

Welche Schweizer Kinderlieder sind am bekanntesten?

Zu den bekanntesten Mundart-Klassikern gehören «Schlaf, Chindli, schlaf», «I ghöre äs Glöggli», «Joggeli, wottsch go riite?», «Rägetröpfli» und «Heile, heile Säge». Bei der modernen Kindermusik ist Andrew Bond mit Liedern wie «Zimetschtern han i gern» besonders bekannt.

Wer ist der erfolgreichste Kinderliedermacher der Schweiz?

Andrew Bond gilt als kommerziell erfolgreichster Kinderliedermacher der Schweiz. Der frühere Religions- und Musiklehrer aus Wädenswil hat Hunderttausende CDs verkauft.

Ab welchem Alter kann ich mit meinem Kind singen?

Von Anfang an. Schon Babys reagieren auf Musik, etwa mit Lachen und Strampeln. Für die Kleinsten eignen sich Wiegenlieder und Kniereiter mit kurzen, eingängigen Melodien.

Sind alte Mundart-Kinderlieder noch zeitgemäss?

Ja, viele Familien singen sie bis heute. Daneben gibt es moderne Mundart-Lieder von Musikern wie Andrew Bond, Linard Bardill, Silberbüx oder Marius & die Jagdkapelle, die Themen aus dem heutigen Alltag aufgreifen.

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